Postulat «Diskriminierungsfreier Bewerbungsprozess bei der kantonalen Verwaltung»

Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus fin­den auch vor un­se­rer ei­ge­nen Haus­tü­re statt. Tief­grei­fen­de Pro­ble­me er­fah­ren bei­spiels­wei­se Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund auf dem Ar­beits­markt im Rah­men von Be­wer­bungs­ver­fah­ren. So zeigt ei­ne Stu­die der Uni­ver­si­tät Neu­châ­tel auf, dass Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund 30 Pro­zent­punk­te mehr Be­wer­bun­gen schrei­ben müs­sen, um ei­ne Ein­la­dung zu ei­nem Be­wer­bungs­ge­spräch zu er­hal­ten, je­ne mit ko­so­va­ri­schen Na­men so­gar 40 Pro­zent­punk­te mehr. Auch Ge­schlech­ter- oder Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung stel­len ein Pro­blem dar. Die­se Dis­kre­panz lässt sich nicht durch Kom­pe­tenz- oder Bil­dungs­un­ter­schie­de be­grün­den.

Durch die Dis­kri­mi­nie­rung im Be­wer­bungs­pro­zess, ob be­wusst oder un­be­wusst, ent­ge­hen den Ar­beit­ge­be­rin­nen kom­pe­ten­te und leis­tungs­fä­hi­ge An­ge­stell­te – meist schon im ers­ten Aus­wahl­ver­fah­ren. Da­mit die Vor­auswahl an­hand der Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen er­folgt, wer­den in ei­nem ers­ten Schritt des Be­wer­bungs­ver­fah­rens sämt­li­che An­ga­ben wie Fo­to, Na­me, Na­tio­na­li­tät, aber auch Ge­schlecht und Al­ter der Kan­di­da­tin oder des Kan­di­da­ten an­ony­mi­siert. Es han­delt sich um ei­ne ver­hält­nis­mäs­sig ein­fach um­setz­ba­re Lö­sung, die sich in der Pri­vat­wirt­schaft be­reits be­währt hat und im­mer häu­fi­ger An­wen­dung fin­det.

Die kan­to­na­le Ver­wal­tung ge­hört zu den gröss­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen im Kan­ton. Zum Kan­ton ge­hö­ren des Wei­te­ren vie­le An­stal­ten und Kör­per­schaf­ten wie die St.Galler Kan­to­nal­bank (SGKB) oder das Kan­tons­spi­tal St.Gallen (KS­SG). Der Kan­ton St.Gallen soll­te hier ei­ne Vor­bild­funk­ti­on ein­neh­men und mit­tels wirk­sa­mer Pro­zes­se si­cher­stel­len, dass Be­wer­bungs­ver­fah­ren dis­kri­mi­nie­rungs­frei auf­ge­baut wer­den. Die Re­gie­rung ver­weist in ih­rer Ant­wort auf die In­ter­pel­la­ti­on «Di­ver­si­ty-Stra­te­gie des Kan­tons St.Gallen» (51.19.63) auf ein im Jahr 2020 erst­mals durch­ge­führ­tes Di­ver­si­ty Bench­mar­king.

Wir bit­ten die Re­gie­rung, um die Be­ant­wor­tung fol­gen­der Fra­gen:

  1. Lie­gen die Er­geb­nis­se des Di­ver­si­ty Bench­mar­kings 2020 vor und was sind die dar­aus ab­ge­lei­te­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen?
  2. Hat die Kan­tons­ver­wal­tung ei­nen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Be­wer­bungs­pro­zess im­ple­men­tiert?
  3. Ist die Re­gie­rung da­zu be­reit mit­tels An­ony­mi­sie­rung der Be­wer­bungs­un­ter­la­gen, die Chan­cen­gleich­heit im Be­wer­bungs­pro­zess in der Kan­tons­ver­wal­tung si­cher­zu­stel­len?
  4. Wie sind die Be­wer­bungs­ver­fah­ren bei kan­tons­na­hen Be­trie­ben wie der SGKB oder dem KS­SG ge­stal­tet?
  5. Gibt es von Sei­ten der Ge­mein­den ein Be­dürf­nis nach ei­nem Leit­fa­den (Best Prac­ti­ce) für ein nicht dis­kri­mi­nie­ren­des Be­wer­bungs­ver­fah­ren?

 

16. Sep­tem­ber 2020

Bi­sig-Rap­pers­wil-Jo­na
No­ger-En­ge­ler-Häg­gen­schwil

 

 

Mit­un­ter­zeich­nen­de:

Lüthi-St.Gallen / Gschwend-Alt­stät­ten / Ca­vel­ti Häl­ler-Jon­schwil / Fäh-Ne­cker­tal / Simmler-St.Gallen / Blu­mer-Gos­sau / Gäh­wi­ler-Buchs / Matt­le-Alt­stät­ten / Monstein-St.Gallen / Benz-St.Gallen / Zschok­ke-Rap­pers­wil-Jo­na / Surber-St.Gallen / Pappa-St.Gallen / Schwager-St.Gallen / Sul­zer-Wil

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